Ein Interim Head of Brand kostet nach meiner Marktbeobachtung je nach Verantwortung, Mandatsdauer und Auslastung etwa 900 bis 1.600 Euro pro Tag. Zur Einordnung: Die DDIM-Marktstudie prognostiziert für 2026 einen durchschnittlichen Tagessatz von 1.317 Euro im deutschen Interim Management. Als erste Plausibilitätsprüfung wird in der Branche außerdem häufig mit der Ein-Prozent-Faustregel gearbeitet: Tagessatz ≈ 1 Prozent des Jahresbruttogehalts einer vergleichbaren Festanstellung. Das ist eine Heuristik, keine vollständige Kostenrechnung.
Mein Tagessatz: ab 900 Euro.
Die Zahl allein entscheidet allerdings nichts. Entscheidend ist die Rechnung dahinter: gegen die unbesetzte Stelle, gegen die Festanstellung, gegen die Agentur. Die stelle ich hier auf.
Was ein Head of Brand überhaupt verantwortet — und warum die Lücke teuer ist
Ein Head of Brand führt die Marke als Unternehmens-Asset: Er hält die Linie über alle Touchpoints, steuert Dienstleister, entscheidet Gestaltungs- und Kommunikationsfragen nach unternehmerischen Kriterien und übersetzt zwischen Geschäftsführung, Vertrieb und Kreation. In vielen Mittelständlern existiert die Rolle nicht als eigene Stelle — sie hängt am Marketingleiter, an der Geschäftsführung oder an niemandem.
Genau dort entsteht die Reibung, die diese Vakanz kostet: Jede Agentur bekommt ein anderes Briefing. Jede Abteilung interpretiert die Marke selbst. Der Vertrieb baut eigene Präsentationen, weil die offiziellen nicht passen. Entscheidungen dauern, weil niemand die Autorität hat, sie zu treffen. Das taucht in keiner Kostenstelle auf — aber in jedem Angebot, das gegen einen klarer auftretenden Wettbewerber verliert.
Die Rechnung: Interim vs. Festanstellung vs. Agentur
Gegen die Festanstellung. Ein festangestellter Head of Brand kostet im Mittelstand je nach Region und Verantwortung grob 90.000 bis 140.000 Euro Jahresbrutto — plus Arbeitgeberanteile, Recruiting (mehrere Monate Suche sind normal), Onboarding und das Risiko der Fehlbesetzung. Nach der 1-Prozent-Faustregel entspricht das rechnerisch Tagessätzen von 900 bis 1.400 Euro. Rechnet man die Vollkosten ehrlich, liegen die Tageskosten einer Festanstellung und eines Interim-Mandats näher beieinander, als der Tagessatz suggeriert — mit einem Unterschied: Die Interim-Rechnung endet, wenn die Aufgabe endet.
Der eigentliche Punkt ist aber ein anderer: Ein Interim-Mandat ist ein Projektformat, keine Dauerstelle. Zwei bis fünf Tage pro Woche über mindestens zwei Monate, konzentriert auf ein Vorhaben, das Führung braucht: Rebranding, Launch, Website, Messe, Neuaufstellung. Wer danach dauerhaft Senior-Markenführung im kleinen Umfang braucht, wechselt in das dafür gebaute Format: die Markenpartnerschaft ab 4.050 Euro pro Monat — festes Monatskontingent statt Tagessatz, für einen Bedarf, für den es keine sinnvolle Teilzeit-Festanstellung gibt.
Gegen die Agentur. Eine Agentur liefert Umsetzung, aber selten Führung — sie ist Partei, nicht Instanz. Wer die Markenführung an die umsetzende Agentur delegiert, lässt den Auftragnehmer sein eigenes Briefing schreiben. Ein Interim Head of Brand sitzt auf Ihrer Seite des Tisches: Er brieft, bewertet und steuert die Agentur — und arbeitet dabei schneller und präziser, weil es zwischen Analyse, Entscheidung und Briefing keine Übergaben gibt, und günstiger, weil Sie keinen Agenturapparat mitbezahlen. Nebeneffekt: Auch die Arbeit Ihrer Agentur wird spürbar besser und oft günstiger, weil Korrekturschleifen entfallen. (Der vollständige Modellvergleich Interim, Agentur, Festanstellung →)
Gegen das Aussitzen. Die teuerste Variante. Unbesetzte Schlüsselpositionen verursachen Kosten weit über das eingesparte Gehalt hinaus — liegengebliebene strategische Themen, inkonsistente Außenwirkung, Entscheidungsstau. Die Vakanz spart auf dem Papier und zahlt am Markt.
Wann sich ein Interim Head of Brand NICHT lohnt
- Wenn Sie dauerhaft täglich Führung brauchen. Ab einem gewissen Umfang ist die Festanstellung wirtschaftlicher und organisatorisch richtiger. Ein gutes Interim-Mandat baut die Rolle dann so auf, dass sie übergabefähig ist — inklusive Unterstützung bei der Nachbesetzung.
- Wenn es eigentlich um ein einzelnes Projekt geht. Steht ein definiertes Vorhaben an, ist das Projektformat sauberer als ein laufendes Mandat: Für die Strategie Inceptik (15.000 € Festpreis), für das Brand Identity Design der Brand Foundation Sprint (13.500 € Festpreis). Ein Interim-Mandat lohnt sich für Führung über Zeit — nicht als teurer Umweg zu einem Projekt.
- Wenn die Geschäftsführung die Marke nicht abgeben will. Ein Interim Head of Brand braucht Entscheidungsraum. Ohne ihn kaufen Sie einen teuren Berater, keinen Führenden — das sage ich im Erstgespräch, wenn ich es sehe.
Häufige Fragen
Ein Mandat läuft mit zwei bis fünf Tagen pro Woche über mindestens zwei Monate — genug Präsenz, um Entscheidungen vorzubereiten, Qualität zu sichern und die Linie im Projekt zu halten. Für die laufende Markenführung nach dem Mandat ist nicht Interim das richtige Format, sondern die Markenpartnerschaft mit festem Monatskontingent.
Beides. Führung braucht Präsenz zu den richtigen Momenten — Entscheidungstermine, Werksbesuche, Team-Formate — und Effizienz dazwischen. Standort Bochum, arbeitsfähig in ganz DACH.
Beratung empfiehlt, Führung verantwortet. Ein Interim Head of Brand trifft Entscheidungen, steuert Budgets und Dienstleister und steht für die Linie ein — mit der Erfahrung aus mehreren Jahren in genau dieser Rolle auf Unternehmensseite.