Interim & Markenführung

Interim, Agentur oder Festanstellung: Wer soll Ihre Marke führen?

Die kurze Antwort, bevor die Rechnung kommt: Die drei Modelle beantworten verschiedene Fragen. Festanstellung kauft dauerhafte Kapazität. Agentur kauft Umsetzungskraft. Interim kauft Führung auf Zeit. Die meisten Fehlentscheidungen entstehen, weil eines der drei für die Aufgabe eines anderen eingekauft wird — die Agentur soll führen, der Festangestellte soll ein Projekt stemmen, der Interim Manager wird zur Dauerlösung. Dieser Artikel sortiert die Modelle nach der einzigen Frage, die zählt: Was genau soll geleistet werden?

Die Vollkosten-Rechnung, vollständig gerechnet

Tagessätze und Gehälter zu vergleichen ist der beliebteste Rechenfehler in dieser Entscheidung. Die belastbare Rechnung sieht so aus:

Festanstellung Head of BrandAgentur (Retainer/Projekt)Interim Head of Brand
Sichtbare Kosten90.000–140.000 € JahresbruttoStunden-/Projektsätze900–1.600 €/Tag
Unsichtbare Kosten+ Arbeitgeberanteile, Ausstattung, Recruiting (Monate), Einarbeitung, Fehlbesetzungsrisiko+ Agenturapparat im Stundensatz: Account-Management, Abstimmungsebenen, OverheadÜbergabestruktur muss ins Mandat (sonst Abhängigkeit)
Rechnerische Tageskostenreal oft 600–900 €/Tag Vollkosten — bei voller Auslastungstark schwankendTagessatz × vereinbarter Umfang
Zahlung endetmit Kündigungsfristenmit Vertragslaufzeitmit der Aufgabe
Kernrisikofalsche Person, volle BindungFührung wird an Partei delegiertVerfügbarkeit, Auswahlqualität

Zwei Dinge fallen auf: Erstens liegen die echten Tageskosten einer Festanstellung und eines Interim-Mandats näher beieinander, als der nackte Tagessatz suggeriert — der entscheidende Unterschied ist die Flexibilität: Das Mandat endet mit der Aufgabe. Zweitens taucht bei der Agentur ein Posten auf, der nirgends einzeln ausgewiesen wird: der Agenturapparat. Er ist keine Anklage, sondern eine Struktureigenschaft — größere Organisationen brauchen Koordination, und Koordination steht im Stundensatz.

Was jedes Modell wirklich gut kann

Die Festanstellung ist unschlagbar, wenn die Funktion dauerhaft und in vollem Umfang gebraucht wird: tägliche Präsenz, Teamaufbau, tiefe Verankerung in der Organisation. Ab einer gewissen Marketing-Teamgröße und Markenkomplexität führt kein Weg daran vorbei — und ein gutes Interim-Mandat sagt Ihnen klar, wann dieser Punkt erreicht ist.

Die Agentur ist unschlagbar bei Umsetzungskapazität: Kampagnen produzieren, Websites bauen, Rollouts über viele Touchpoints stemmen. Kein Einzelner ersetzt zwanzig Umsetzer. Was eine Agentur strukturell nicht sein kann: die Instanz über sich selbst. Wer die Markenführung an die umsetzende Agentur delegiert, lässt den Auftragnehmer sein eigenes Briefing schreiben und seine eigene Arbeit abnehmen — nicht aus bösem Willen, sondern aus Rollenlogik. Agenturen arbeiten spürbar besser, wenn auf Kundenseite jemand sitzt, der präzise briefen und souverän bewerten kann.

Das Interim-Mandat ist unschlagbar bei Führung auf Zeit: Vakanzen überbrücken, Veränderungsphasen steuern, die Markenfunktion aufbauen oder neu schneiden, Dienstleister auf Linie bringen. Es arbeitet dabei schneller und präziser, weil zwischen Analyse, Entscheidung und Briefing keine Übergaben liegen — und günstiger, weil kein Agenturapparat mitbezahlt wird. Seine Grenze: Es ist ein Zeitmodell. Wer es zur unreflektierten Dauerlösung macht, bezahlt Flexibilität, die er nicht mehr braucht.

Die Entscheidungsmatrix

Ihre SituationPassendes Modell
Marketingleitung vakant, Nachbesetzung läuftInterim (die Optionen im Detail →)
Rebranding/Neuausrichtung steht an, intern fehlt Senior-MarkenkompetenzInterim für die Führung + ggf. Agentur für den Rollout
Dauerhaft großes Team, viele Kampagnen, tägliche Führung nötigFestanstellung
Viel Produktionsbedarf, klare Vorgaben vorhandenAgentur
Kleine Organisation, Marke braucht wenige Senior-Tage im Monat — dauerhaftMarkenpartnerschaft (festes Monatskontingent)
Einmaliges, definiertes Vorhaben (Strategie, Markenfundament)Keins der drei: Projektformat mit Festpreis (Übersicht →)

Die Modelle kombinieren sich häufiger, als der Vergleich suggeriert: Interim führt, Agentur produziert, und am Ende übernimmt eine Festanstellung eine sauber aufgestellte Funktion. Konkurrenz besteht nur dort, wo Rollen verwechselt werden.

Häufige Fragen

Pro Tag: ja, nominal. Pro geleisteter Führungsaufgabe: selten — Vollkosten, Recruiting, Einarbeitung und Fehlbesetzungsrisiko eingerechnet, und die Interim-Rechnung endet mit der Aufgabe. Die vollständige Rechnung mit Verbandsdaten →

Sie kann es anbieten, und viele tun es. Strukturell bleibt es die Delegation der Kontrolle an die kontrollierte Partei. Die bessere Arbeitsteilung: Führung auf Ihrer Seite des Tisches, Umsetzung auf der anderen — davon profitiert auch die Agentur, weil Briefings präziser und Abnahmen schneller werden.

Freelancer liefern exzellente Einzelgewerke (Design, Text, Web). Der Unterschied zum Interim Manager ist die Flughöhe: Gewerk versus Führungsverantwortung. Wer Freelancer koordinieren muss, braucht erst recht jemanden, der die Linie hält.

Das ist keine Unentschlossenheit, sondern die risikoärmste Reihenfolge: Das Mandat klärt im laufenden Betrieb, wie die Rolle wirklich geschnitten sein muss — Umfang, Schnittstellen, Anforderungsprofil. Die spätere Festbesetzung wird dann nicht gegen eine Stellenbeschreibung vom Reißbrett gesucht, sondern gegen eine erprobte Rolle. Und die Übergabe hat jemanden, der sie aktiv gestaltet, statt eines leeren Schreibtischs mit Passwortliste.

An drei Frühindikatoren: Die Agentur führt sich selbst (Briefings entstehen beim Auftragnehmer) — Führungslücke. Der Festangestellte verwaltet Projekte, statt die Linie zu halten — Rollenverwechslung. Das Interim-Mandat verlängert sich zum dritten Mal ohne neue Begründung — Zeitmodell wird stillschweigend Dauerlösung. Alle drei sind korrigierbar; teuer werden sie erst, wenn niemand sie ausspricht.

← Alle Beiträge