Interim & Markenführung

Vakanz in der Marketingleitung: Drei Optionen — und die teuerste vierte

Wenn die Marketingleitung geht, haben Sie drei echte Optionen: intern kommissarisch besetzen, extern schnell nachbesetzen oder die Lücke mit einem Interim Manager überbrücken. Die vierte Option wählt niemand bewusst, aber viele faktisch: aussitzen. Sie ist die teuerste. Dieser Artikel rechnet alle vier durch — nicht aus Personalberater-Sicht, sondern aus der Perspektive dessen, was in der Lücke mit Ihrer Marke passiert.

Was in der Lücke wirklich passiert

Eine vakante Marketingleitung ist kein ruhendes Kostenstellen-Konto. Sie ist ein Vakuum, in das sofort andere Kräfte strömen: Jede Agentur brieft sich selbst. Jede Abteilung interpretiert die Marke nach eigenem Geschmack. Der Vertrieb baut eigene Präsentationen, weil niemand die offiziellen pflegt. Entscheidungen stauen sich beim Geschäftsführer, der eigentlich anderes zu tun hat — oder sie fallen gar nicht, und die Messe, der Katalog, die Kampagne laufen mit dem Stand von gestern.

Nichts davon erscheint auf einer Rechnung. Alles davon kostet: Konsistenz, Tempo, Preiskraft. Die Vakanz spart ein Gehalt und bezahlt dafür am Markt.

Option 1 — Intern kommissarisch: der Reflex

Jemand aus dem Team „macht das erstmal mit". Verständlich, oft alternativlos für die ersten Wochen — und mit drei realen Risiken: Erstens fehlt der kommissarischen Besetzung meist die Autorität, Nein zu sagen — gegenüber Abteilungen, Gesellschaftern, Agenturen. Zweitens macht sie den Job zusätzlich zum eigenen; es wird verwaltet, nicht geführt. Drittens entsteht eine heikle Personalsituation, wenn später extern besetzt wird.

Richtig, wenn: in der Lücke nur Bekanntes zu verwalten ist, das Tagesgeschäft stabil läuft und keine strategischen Weichen anstehen. Falsch, wenn: ein Rebranding, eine Messe, ein Launch oder eine Neuausrichtung in die Vakanz fällt.

Option 2 — Schnell nachbesetzen: die scheinbar sauberste Lösung

Die Stelle ausschreiben und zügig besetzen. Der Haken liegt im Wort „zügig": Für Marketing-Führungspositionen im Mittelstand sind mehrere Monate von Ausschreibung bis Antritt normal — Suche, Auswahl, Kündigungsfristen. Rechnen Sie realistisch mit vier bis neun Monaten Lücke. Und Zeitdruck ist der schlechteste Berater bei Führungsbesetzungen: Wer schnell besetzen muss, senkt Ansprüche — und eine Fehlbesetzung auf dieser Ebene kostet ein Vielfaches eines Jahresgehalts, in Geld und in Momentum.

Richtig, wenn: die Rolle dauerhaft in vollem Umfang gebraucht wird — dann ist die Festanstellung das Ziel. Nur: Sie beantwortet nicht, was in den Monaten bis dahin passiert.

Option 3 — Interim: Führung auf Zeit

Ein Interim Manager übernimmt die Führungsfunktion vom ersten Tag an — mit Senior-Erfahrung, ohne Einarbeitungsjahr, ohne Bindung über die Aufgabe hinaus. Für die Markenführung heißt das konkret: Die Linie wird gehalten, Dienstleister werden gesteuert, Entscheidungen fallen wieder. Und die Rolle kann mehr sein als Platzhalter: Ein gutes Mandat nutzt die Vakanz, um die Funktion sauber aufzustellen — Prozesse, Vorlagen, Entscheidungsregeln —, sodass die spätere Festbesetzung ein bestelltes Feld übernimmt statt eines Trümmerfelds. Auf Wunsch inklusive Unterstützung bei der Auswahl der Nachfolge, mit dem Blick dessen, der die Rolle gerade ausfüllt.

Die Kosten: nach meiner Marktbeobachtung je nach Verantwortung, Mandatsdauer und Auslastung etwa 900 bis 1.600 Euro pro Tag (die vollständige Rechnung inklusive aktueller DDIM-Daten steht hier). Entscheidend ist der Zuschnitt: Ein Mandat läuft mit zwei bis fünf Tagen pro Woche über mindestens zwei Monate — genug, um die Funktion wirklich auszufüllen, statt sie nur zu verwalten.

Richtig, wenn: in der Lücke Aufgaben liegen, die Führung brauchen — ein strategisches Vorhaben, das nicht warten kann, gestaute Entscheidungen oder eine Funktion, die vor der Nachbesetzung erst neu geschnitten werden muss. Falsch, wenn: Sie dauerhaft tägliche Präsenz brauchen — dann ist Interim der teure Umweg zur Festanstellung.

Der Vergleich auf einen Blick

KommissarischSchnelle NachbesetzungInterim
Verfügbar absofort4–9 MonateTage bis wenige Wochen
Führungsautoritätbegrenztvoll (nach Einarbeitung)voll, ab Tag 1
Kosten„kostenlos" (real: Doppelbelastung + Stillstand)Gehalt + Recruiting + Risiko FehlbesetzungTagessatz × tatsächlicher Bedarf, endet mit der Aufgabe
Strategische Vorhabenpausierenpausieren bis Antrittlaufen weiter
RisikoÜberlastung, ungeklärte AutoritätFehlbesetzung unter ZeitdruckAbhängigkeit, falls keine Übergabestruktur — deshalb gehört sie ins Mandat

Wie sich die drei Modelle grundsätzlich zueinander verhalten — auch jenseits der Vakanz-Situation — steht im Modellvergleich Interim, Agentur, Festanstellung. Die Optionen schließen sich übrigens nicht aus — die stärkste Kombination ist oft: intern stabilisieren (Woche 1), Interim für Führung und Neuaufstellung (Monat 1–9), in Ruhe die richtige Festbesetzung finden.

Häufige Fragen

Das entscheidet nicht der Kalender, sondern die Aufgabe. Fällt ein markenrelevantes Vorhaben in die Lücke (Messe, Launch, Rebranding, Website) oder stauen sich Führungsentscheidungen, lohnt Interim sofort — auch bei kurzer Vakanz. Ist dagegen nur Bekanntes zu verwalten und steht nichts Strategisches an, kann eine interne Lösung reichen, selbst wenn die Lücke länger dauert. Die Kosten des Wartens sind unsichtbar, aber real — sie heißen Inkonsistenz, Stillstand und Entscheidungsstau beim Geschäftsführer.

Weitgehend ja — Führung braucht Präsenz zu den richtigen Momenten (Entscheidungstermine, Team-Formate, Werksbesuche) und Effizienz dazwischen. Wie das in der Praxis abläuft: Die ersten 90 Tage →

Ehrliche Möglichkeit. Manche Mittelständler brauchen keine Vollzeit-Führungsstelle, sondern wenige Tage Senior-Markenführung pro Monat auf Dauer. Auch das ist ein legitimes Modell — dafür ist allerdings nicht Interim gebaut, sondern die Markenpartnerschaft mit festem Monatskontingent. Es sollte nur eine bewusste Entscheidung sein, kein Zufallsprodukt einer nie nachbesetzten Stelle.

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